Emily St. John Mandel – Das Licht der letzten Tage

Mein literarisches 2016 begann gleich mit einem absoluten Knaller! „Das Licht der letzten Tage“ von Emily St. John Mandel habe ich  im „Neues vom Buchmarkt-Podcast“ entdeckt. Im Februar habe ich es endlich verschlungen und möchte euch nun erklären, warum es so großartig ist.

Was euch erwartet

Die letzte Rolle, die Arthur Leander spielt, ist die des König Lear. Er stirbt auf der Bühne in Toronto und bekommt so nicht mit, dass in den darauf folgenden Tagen 99% der Weltbevölkerung einer verheerenden Grippeepidemie zum Opfer fallen.

Von diesem Ereignis ausgehend, beleuchtet die Erzählung das Leben unterschiedlicher Charaktere, die alle auf besondere Weise mit Arthur Leander verbunden sind. Wir erfahren unter anderem, wie er zum berühmten Schauspieler wurde, was 20 Jahre nach der Epidemie aus dem kleinen Mädchen wird, das bei seinem Tod mit auf der Bühne steht und wie der junge Ersthelfer aus dem Theater die beginnende Apokalypse erlebt.

Tatsächlich bekommt der Leser hier keine Survival-Geschichte und keine detailliert erzählte Neuordnung der Gesellschaft, sondern kleine kunstvoll miteinander verwobene Episoden. Manche spielen weit vor der Epidemie – bevor Arthur Leander berühmt wurde – manche spielen zwanzig Jahre nach der Epidemie, in einer Welt, in der sich viele Menschen schon nicht mehr an die Zeit vor dem Zusammenbruch erinnern können.

Warum ich zu diesem Roman gegriffen habe und warum ich ihn so großartig finde

Ich liebe postapokalyptische Szenarien und Geschichten, die erzählen wie sich Menschen an stark veränderte Lebensbedingungen anpassen, deshalb war die Buchvorstellung im „Neues vom Buchmarkt“-Podcast schon höchst reizvoll für mich. Dazu kommt noch der seltsam romantisch klingende Titel, der so gar nicht zur Apokalypse passen will und mich damit erfolgreich ködern konnte.

Obwohl oder gerade weil die „Gewöhnungsphase“ in diesem Roman kaum beschrieben wird, empfand ich ihn als sehr erfrischend. Die Epidemie ist nicht „die Erzählung“, sondern einfach ein Ereignis im Leben verschiedener Charaktere – sie ist einfach da. Trotz der zahlreichen großen Zeitsprünge und der Menge an Charakteren hat man das Gefühl, eine zusammenhängende Geschichte zu lesen. Das liegt vor allem daran, dass die Episoden so gut miteinander verbunden sind. Manchmal wird im Sprung zurück gezeigt, wie es zu einer bestimmten Situation kommen konnte oder warum ein bestimmter Gegenstand an einem bestimmten Platz ist und manchmal zeigt der Sprung nach vorne, wohin ein Ereignis in der Zukunft führt – so ähnlich wie man das von Lost oder Breaking Bad kennt. Ein weiteres Element, das mir sehr gut gefällt, sind Szenen, die im Laufe des Romans aus mehr als einer Perspektive geschildert werden und so nicht nur einen tollen Einblick in die Charaktere erlauben, sondern auch die unterschiedlichen Handlungsstränge miteinander verknüpfen.

Kurzum: das Tolle an diesem Roman ist viel weniger was erzählt wird, als wie es erzählt wird. Ein absolut empfehlenswertes Buch!

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