Don Winslow – Tage der Toten

Im Juli durfte die Lektüre mal wieder etwas blutiger sein – wie erging es mir mit Tage der Toten?

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Don Winslow – Tage der Toten ISBN: 978-3-518-46340-6

Was euch erwartet

Die Geschichte setzt in der ersten Hälfte der 1970er Jahre ein und endet fast 30 Jahre später.

Art Keller ist der Protagonist des Romans. In den frühen 70er Jahren kommt er von der CIA zur frisch gegründeten DEA und kann – u.a. mit Hilfe eines angehenden Drogenbarons – einige Erfolge feiern. Als einer seiner Kollegen brutal gefoltert und getötet wird, wird der War on Drugs für ihn ein ganz persönlicher Kampf, der fortan sein gesamtes Leben bestimmt.

Sean Callan ist ein irischer Jugendlicher in New York, doch dann gerät er durch einen blöden Zufall an die Mafia und immer tiefer ins kriminelle Milieu, bis er ebenfalls am Drogenhandel beteiligt ist.

Nora Hayden lässt sich als Teenie von Männern aushalten, bis sie die Betreiberin eines Edel-Bordells trifft. Diese erklärt ihr, dass es für ein Mädchen wie sie noch viel mehr zu holen gibt und sie sich mit Parties, Alkohol und Drogen nicht zufrieden geben sollte. Sie bildet Nora zur Luxus-Prostituierten aus, die ebenfalls mit den mexikanischen Kartellen in Berührung kommt.

Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Figuren, die fast alle wunderbar ausgearbeitet sind und auf unterschiedlichste Art ins Drogenmilieu geraten und dort ihren Weg gehen.

Was gefällt mir an Tage der Toten?

Am besten gefallen mir die Charaktere! Der Vorteil an langen Texten ist, dass der Autor viel Zeit für seine Charaktere hat. Die Figuren in Tage der Toten sind fast ausnahmslos vielschichtig – sie haben ihre guten und schlechten Seiten unabhängig davon, auf welcher Seite des Gesetzes sie stehen. Wir sehen sie oft in kleinen Alltagsszenen, die sie als Figuren rund erscheinen lassen.
Auch die Sprache – wie sollte es bei mir anders sein – gefällt mir sehr gut. Tage der Toten ist flüssig zu lesen, da die Sprache angenehm reduziert ist; lange Schachtelsätze würden zur Geschichte gar nicht passen. Großartig sind die Szenen, in denen beschrieben wird, wie Sean Callan in alles hineingezogen wird: hier driftet die Sprache beinahe ins Kommödiantische. Callan stolpert von Szene zu Szene, bis es kein Zurück mehr gibt – er wird zufällig zum Mafiakiller. Ebenfalls bemerkenswert ist die Einstreuung spanischer „Fach“-Begriffe des Drogenhandels. Hier bewegt sich der Leser ebenfalls an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Erst habe ich befürchtet, dass mich das nerven würde (wie z.b. übertriebenes Denglisch), aber im Grunde hat es sich für mich als sehr stimmungsvoll erwiesen.

Solltet ihr Tage der Toten lesen?

Unbedingt! Wenn ihr Gangstergeschichten mögt und kein Problem mit detaillierter Gewaltdarstellung habt. Tage der Toten ist kein romantisierendes Gangsterepos, sondern das, was ich mir unter „realistischer“ Darstellung des Drogenhandels vorstelle – das ist ganz oft hässlich, brutal und schmutzig und schreckt auch nicht davor zurück, Unschuldige zu ermorden.
Ich habe Tage der Toten verschlungen und direkt im Anschluss mit „Das Kartell“ angefangen. Das sollte doch für dieses Buch sprechen.

Was ihr sonst noch wissen müsst

Aus dem Englischen von Chris Hirte
Originaltitel: The power of the dog
Originalverlag: Alfred A. Knopf, 2005
ISBN: 978-3-518-46340-6
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: 16.04.2012

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