Lize Spit – Und es schmilzt

Ein Roman wie ein Fausthieb gegen den Solarplexus! 

Worum geht es? 

Eine Frau, ein Eisblock im Kofferraum und ein Weg zurück in ihre Kindheit.

Eva ist aus ihrem Heimatdorf in Bovenmeer weggezogen und hat Abstand zwischen sich und ihre Vergangenheit gebracht. Sie bekommt eine Einladung, die sie wieder an den Sommer vor dreizehn Jahren zurück denken lässt und beschließt hin zu fahren – mit einem Eisblock im Kofferraum.

Nichts Bedrohliches wie man meint.

Das Buch pendelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und nähert sich dem Ereignis vor dreizehn Jahren langsam und unheimlich an. Kapitelüberschriften und Tagebucheintrag genaue Zeitangaben zum Tag an dem Eva zurück kehrt wechseln sich ab.

Zum Schluss klärt sich alles auf – oder doch nicht?

Kirstens Meinung

Christine Westermann hat mich beim Radiohören auf das Buch aufmerksam gemacht. „Das Buch lässt einen nicht los!“, so oder so ähnlich hat sie ihre Ausführungen beendet. Das könnte doch was für Judith sein? Gedacht, verschenkt!

Ähnliches haben sich wohl auch meine Schwiegereltern gedacht und so kam das Buch der flämischen Autorin als Geschenk auch zu mir.

Ich muss sagen es ist nicht das, was ich sonst favorisiere. Es ist kein Buch, das man gern liest, denn es bereitet einem mit jeder Seite mehr Unbehagen. Schon auf den ersten Seiten war ich geschockt, aber anderseits auch gebannt davon wie es dazu kommen konnte.

Würde ich diesen Roman weiterempfehlen? Schwer zu sagen. Trotzdem er mich geschüttelt hat, geht von der Erzählung eine Faszination aus. Lize Spit beschreibt Evas Denken und Handeln mit solch einer Selbstverständlichkeit, dass man einerseits viel Abstand hat, sich andererseits aber mehr Nähe wünscht um Eva zu verstehen.

Es ist zu keiner Zeit so, dass ich Schisser Angst haben muss, von Alpträumen geplagt zu werden. Das Lesen fühlt sich so wie in einem Horrorfilm an, kurz bevor etwas Schlimmes passiert. Aber passiert es?

Fazit: Nicht meins, aber lesenwert wenn man Abgründe mag. Das Buch packt einen!

Judiths Meinung

Puh. Der erste Satz in diesem Beitrag ist von mir und durchaus ernst gemeint. Lize Spit hat in mich hineingefasst und meine Innereien fest umklammert. Viele, viele Seiten lang.

Der Leser weiß von Beginn an, dass irgendwo auf dem Weg eine Tragödie wartet – ein Ereignis, das das Leben von Protagonistin Eva drastisch ändert. Dieses ungute Gefühl begleitet einen von Seite zu Seite, obwohl der Roman recht harmlos beginnt – zugegeben, ein bisschen makaber und kurios aber eben doch harmlos. Ich war auf jeden Fall nicht auf das vorbereitet, was mich dann erwartet hat.

Würde ich den Roman weiter empfehlen? Kirsten hat es gut auf den Punkt gebracht: „Es ist kein Buch, das man gerne liest“ – es macht keinen Spaß. Dennoch bin ich bisher von keinem Buch so emotional bewegt worden, wie von diesem. Noch jetzt spüre ich den „Knoten“ in meinem Inneren, den ich an einem Herbstabend auf Mallorca spürte, als ich das Buch zu Ende gelesen habe.

Es besteht kein Zweifel, Lize Spit ist mit „Und es schmilzt“ etwas Großes gelungen. Dennoch würde ich den Roman nicht uneingeschränkt empfehlen – speziell wenn man nach Unterhaltungsliteratur sucht, sollte man um dieses Werk einen Bogen machen. Lesern, die die besondere Leseerfahrung suchen und nicht zart besaitet sind, würde ich „Und es schmilzt“ aber unbedingt ans Herz legen.

Was ihr sonst noch wissen müsst…

Autor: Lize Spit
Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen
Originaltitel: Het Smelt
ISBN: 978-3-10-397282-5 
Verlag: S. Fischer Verlag GmbH
Erschienen: 24.08.2017

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