Factfulness – Hans Rosling

Bei Büchern bin ich der klassische Late Adopter – seit ich nicht mehr im Buchgroßhandel jobbe, habe ich keinen Überblick darüber, was gerade erscheint oder bereits gut läuft. Ich werde erst dann auf Bücher aufmerksam, wenn sie wiederholt in Blogs und Podcasts auftauchen. Wenn ich dann ein paar Mal etwas von einem Buch gehört habe, wandert es zunächst auf meine „Wunschliste“, dann auf meinen SuB und irgendwann auf meinen Nachttisch. Bei Factfulness war es in diesem Jahr soweit. In diesem Fall hatte ich aus so vielen verschiedenen Bubbles von dem Buch gehört, dass die Zeit vom SuB zum Nachtisch außergewöhnlich kurz war. Wenn Beauty-, Produktivitäts- und Finanzblogger alle das gleiche Buch lesen und sich alle positiv darüber äußern, muss ich ja neugierig werden.

Worum geht’s in Factfulness?

Selbsterkenntnis

4 von 13 Multiple Choice Fragen richtig beantwortet – Factfulness beginnt mit einem Quiz und für mich mit großem Entsetzen. Selten haben Selbsteinschätzung und Realität bei mir so weit auseinander geklafft; unangenehm. 80% der Befragten haben schlechter abgeschnitten (Ergebnisse bei Gapminder). Ist das tröstlich? Nein! Auch wenn mein Ergebnis über dem Durchschnitt liegt, ist es phänomenal schlecht. Immerhin setzt der Vergleich es in Perspektive.

Fehleinschätzungen

Unsere Vorstellung von der Welt ist ein Mix aus Vorurteilen, veraltetem Schulwissen und gefühlter Wahrheit. Dahinter steckt meist keine böse Absicht, es ist uns einfach nicht bewusst, wie oft wir eigentlich daneben liegen. Hans Rosling beschreibt in Factfulness zehn verschiedene Instinkte, die zu Fehleinschätzungen führen:

  1. The Gap Instinct
  2. The Negativity Instinct
  3. The Straight Line Instinct
  4. The Fear Instinct
  5. The Size Instinct
  6. The Generalization Instinct
  7. The Destiny Instinct
  8. The Single Perspective Instinct
  9. The Blame Instinct
  10. The Urgency Instinct

Ziel des Buches ist, dass der Leser/die Leserin diese Instinkte im Alltag erkennt und überwinden kann, um zu einer faktenbasierten Sicht auf die Welt zu gelangen.

Was hat mir an Factfulness gut gefallen?

Sprache und Aufbau

Ich beziehe mich auf die Englische Ausgabe, vermute aber, dass es für die Übersetzung gleichsam gilt. Sprache und Aufbau sind toll! Die grobe Struktur des Buches wird durch die zehn Instinkte vorgegeben – zu jedem Instinkt gibt es ein Oberkapitel, das sich in viele kurze Kapitel gliedert. Durch die sehr kurzen Unterkapitel kommt man quasi nie in die Situation das Buch mitten im Kapitel zur Seite zu legen, selbst wenn man nur wenige Minuten Zeit für die Lektüre reserviert hat.

Am Ende jedes Oberkapitels werden noch einmal die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Diese Kapitel eignen sich hervorragend, um während der Lektüre noch einmal zurückzublättern oder auch mit zunehmendem Abstand einige Aspekte nachzuschlagen.

Anekdoten

Ich habe ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Anekdoten in Sachbüchern. Das liegt nicht an der Anekdote als rhetorischem Mittel, sondern an der inflationären Verwendung – besonders in modernen Sachbüchern. Ich habe schon viele Sachbücher gelesen, bei denen der Inhalt auf zehn Seiten umfassend hätte präsentiert werden können, in denen sich dann aber eine Anekdote an die nächste reihte, ohne inhaltlich noch etwas hinzuzufügen. Ich empfinde dann immer etwas Abscheu, weil es so aussieht, als hätte der Autor/die Autorin wenig Vertrauen in den Inhalt. Das ist bei Factfulness anders! Natürlich gibt es auch hier Anekdoten, aber zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, dass diese dazu dienen eine wirtschaftlich angemessene Textlänge zu erzeugen. Das war erfrischend.

Solltet ihr Factfulness lesen?

Ja! Ohne Einschränkungen. Normalerweise gebe ich hier ja gerne Empfehlungen, unter welchen Voraussetzungen ich ein Buch für lesenswert halte; bei Factfulness mache ich das nicht. Jeder kann etwas aus der Lektüre ziehen und vermutlich ist für jeden die ein oder andere Überraschung dabei.

Was ihr sonst noch wissen müsst

Autoren: Hans Rosling mit Ola Rosling und Anna Rosling Rönnlund
Originaltitel: Factfulness
ISBN: 978-1-47363-746-7
Verlag: Sceptre
Erschienen: 3.4.2018
352 Seiten

Goldene Flammen – Leigh Bardugo

Buchcover Goldene Flammen von Leigh Bardugos Auftakt zur Grisha-Trilogie

Die Romane von Leigh Bardugo habe ich schon öfter in der Buchhandlung gesehen, aber nie zugegriffen. Noch eine Fantasyreihe anfangen, von einer weiteren Autorin mit einer weiteren spannenden Welt, wo ich doch sowieso schon soviel Auswahl habe. So ist es die Serie, die mich dazu gebracht hat, doch mit dem neuen Universum der magischen Grisha anzufangen.

Ja, eigentlich liest man erst die Bücher und schaut dann eine Serie. In diesem Fall hat mich die Serie auf den Geschmack gebracht.

Das Universum der Grisha

Das Waisenmädchen Alina ist Kartografin der ersten Armee. Zusammen mit Mal, mit dem sie im Waisenhaus aufgewachsen ist, macht sie sich auf den Weg die Schattenflur zu durchqueren. Auf dem Skiff, dem Gefährt was sie und andere Reisenden durch die gefährliche Einöde bringen soll, werden sie angegriffen. Aus unerklärlichen Gründen schafft es Alina der Gefahr zu entgehen. Sie rettet Mal und die Reisenden auf dem Skiff. Sie erfährt, dass sie eine Grisha ist. Um ihre Fähigkeiten kontrollieren zu lernen, bringt der mächtigste der Grisha, der nur der Dunkle genannt wird, sie nach Os Alta ins Trainingslager der Grisha. Das anfängliche Misstrauen dem Dunklen gegenüber legt sich. Hat er doch seine ganz besonderen Pläne von denen Alina noch nichts ahnt.

Wie es mir gefallen hat

Ich mag den Auftakt der Reihe aus verschiedenen Gründen.

Zuerst finde ich die Anlehnung an Russland und Osteuropa spannend. Das Reich der Zaren mit prächtigen Palästen, was im Gegensatz zu dem bodenständigen, derben normalen Volk steht. Ich kann es nicht erklären wieso, aber irgendwas zieht mich hin zu diesem Kulturenkreis. Irgendwann geht es bestimmt Richtung Osten. Dazu schreibe ich euch dann einen Reisebericht an anderer Stelle.

Den Mix aus Magie, Verbrechern und Stand der Technik finde ich sehr gelungen. Die Skiffs, Schiffe die durch den Sand der Schattenflur gleiten, geben einen Hauch von Steampunk, ohne Steam, da sie durch den magischen Wind der Grisha voran getrieben werden.

Die äußeren Gegebenheiten sind bestimmende Elemente. Die Machtverhältnisse der einzelnen Völker aus Shu Han, Ost- und West-Ravka und Fjerda einerseits und die Schattenflur als unbezwingbare Einöde mit den Volcra andererseits. Ich finde es spannend, dass zu dem klassischen Gut gegen Böse noch weitere Einflüsse hinzukommen, die so viele Möglichkeiten der Entwicklung der Geschichte bieten.

Grisha = Zauberer à la H. Potter?

Bustle schreibt:

Das beste magische Universum seit Harry Potter

Bustle

Ich habe bisher nur den ersten Teil gelesen und die erste Staffel der Serie geschaut. Wobei die Serie verschiedene Erzählungen aus dem Grishaverse verquickt, die im ersten Buch keine Rolle spielen. Ich finde, dass ein Vergleich mit Harry Potter nicht passt.

Die einzigen Gemeinsamkeiten sind, das Alina ähnlich wie Harry Potter auf eine Art Schule geht um ihre Fähigkeiten zu beherrschen und wie Harry eine besondere Rolle einnimmt. Wie Harry Voldemorts Angriff überlebt hat, hat auch Alina eine Fähigkeit sich gegen die Kreaturen der Volcra zustellen.

Die Art der Magie hingegen ist eine andere und auch die Umstände. Harry Potter spielt im Jetzt, die Grisha bewegen sich in einer Zeit die dem 19. Jahrhundert ähnelt. Die Magie ist Teil der Realität im Leigh Bardugos Romanen während sie bei Harry Potter als Parallelwelt existiert.

Was die beide vereint ist, dass es sehr gute Fantasyerzählungen sind. Ob und inwiefern die Romane in einer Liga spielen, vermag ich aber erst zu beurteilen, wenn ich die Reihe abgeschlossen habe. Ihr werdet also von mir lesen.

Was ihr sonst noch wissen müsst

Autorin: Leigh Bardugo
Übersetzt von: Henning Ahrens
Originaltitel: Shadow and Bone
ISBN: 978-3-426-52444-2
Verlag: Knaur TB
Erschienen: 02.03.2020
352 Seiten
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