USA – Roadtrip Teil 3 – mehr Pech kann man nicht haben

Cliffhanger mag ich gar nicht, also spanne ich euch nicht lange auf die Folter und erzähle euch heute, wie unsere Reise ihren Tiefpunkt erreichte.

Wir ließen San Francisco hinter uns und folgen dem Highway 101 Richtung Süden. Nach unserem Einkauf im Walmart hatte ich mich zum ersten Mal hinters Steuer gesetzt und war, als die erste Aufregung hinter diesem fremden Lenkrad verflogen war, begeistert vom Autofahren in den USA. Alles so schön langsam und rücksichtsvoll – genau meine Art des Fahrens. Wir kamen durch die kleine Stadt Gilroy und wechselten dort auf die 152 Richtung Osten. Kalifornien zeigt sich hier von seiner ländlichen Seite: endlose Felder, endlose Straßen, kleine Dörfer und immer wieder spektakuläre Ausblicke.

So war das nicht geplant II

Östlich vom San Luis Reservoir traf es uns dann: das Auto machte „komische Geräusche“. Ein rythmisches „Flapp, Flapp, Flapp“ verhieß nichts Gutes. So war es dann auch: vom linken hinteren Reifen hatte sich ein großes Stück Gummi gelöst, das immer wieder von unten gegen den Wagen schlug. Es war bereits Nachmittag und wir hatten bis Oakhurst noch ca. 100 Meilen vor uns – das sollte doch selbst mit Reifenwechsel kein Problem sein. Dachten wir.

Es gab keinerlei Werkzeug im Auto und der zweite Hinterreifen machte ebenfalls keinen guten Eindruck, so dass wir mit dem Mietwagenverleiher Kontakt aufnahmen. Es begann ein Telefonmarathon. Zwar hatte man uns schnell zugesagt, dass uns jemand helfen könne, aber es kam niemand. Es wurde langsam dunkel und kalt und ein erneutes Telefonat brachte Klarheit: irgendwie hatte man unsere Position nicht bestimmen können, obwohl wir Koordinaten durchgegeben hatten und „von Gilroy nach Los Banos fahrend, ein kleines Stück vor dem Bootsverleih“ für meine Begriffe eine ausreichend genaue Beschreibung ist (da ist sonst weit und breit nichts). Warum man uns darüber nicht informiert hat, ist mir ein Rätsel.

Luis unser Retter

Wir hatten gut 2,5 Stunden gewartet, als endlich unser Abschleppheld Luis kam. Leider war schnell klar, dass an diesem Abend nichts mehr geschehen würde. Es war zu dunkel, als dass Luis etwas hätte machen können und die Werkstatt hatte bereits geschlossen. Luis‘ Auftrag war es uns nach Gilroy zu bringen und den Mietwagen dort zu einer Nissan-Werkstatt zu bringen. Er sammelte uns also ein, fuhr mit uns bis nach Los Banos. Das war die erste Möglichkeit zu wenden und außerdem musste seine Frontscheibe geputzt werden. Er brachte uns zurück nach Gilroy. Das bedeutete: einmal 1h auf der Straße zurück fahren, auf der wir gekommen waren. Glücklicherweise konnten wir noch ein Hotelzimmer ergattern und den anstrengenden Tag wenigstens in bequemen Betten beenden. Leider war aber jede verstreichende Minute eine, die wir weniger im Yosemite verbringen würden. Immerhin waren alle, die von unserem Unglück erfuhren, sehr nett und hilfsbereit.

Gilroy – Welthauptstadt des Knoblauchs

Ein Gutes hatte die ganze Geschichte: in unserem Notfallhotel war das Frühstück inklusive – das war nicht bei allen Motels auf unserer Route der Fall und ist definitiv etwas, worauf ich bei der nächsten Reise dieser Art achten würde.

Am nächsten Tag wurden wir von der Frau des Nissanhändlers abgeholt, bei dem unser Mietwagen in der Garage stand. Was wenig aufwendig klang (Reifenwechsel) erwies sich als größere Aktion: die richtigen Reifen waren nicht auf Lager und mussten erstmal im Umland gesucht werden. „Umland“ bedeutete in diesem Fall „San Jose“, also weitere 50 Kilometer zurück in Richtung San Francisco. Immerhin versicherte man uns, dass man im Yosemite auch ein lohnenswertes Kurzprogramm machen kann.

Gegen 14 Uhr konnten wir endlich weiter in Richtung Oakhurst aufbrechen – 215 Kilometer lagen zwischen uns und unserem nächsten Motel. Diese Etappe ist mir tatsächlich lebhaft in Erinnerung geblieben. Nicht weil sie besonders schön war – sehenswert waren eigentlich alle Strecken – sondern weil nach diesem Chaostag eine besondere Spannung in der Luft lag. Wenn so viele Dinge schief gehen, pendelt man zwischen „jetzt kann eigentlich nichts mehr passieren“ und „hoffentlich passiert nichts mehr“ – so wurde der Moment, an dem wir den Ort unserer Reifenpanne passierten, erstmal gebührend bejubelt.

Zwischen Gilroy und Oakhurst fährt man durch dünn besiedeltes Gebiet. Stellenweise wundert man sich, wer wohl den Zaun in dieser Wildnis aufgestellt hat. Die kleinen Städte, werden deutlich „dörflicher“ und langsam aber sicher wechselt die Vegetation und man merkt, dass die Berge nicht mehr weit sind.

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