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Altes Land – Dörte Hansen

Altes Land von Doerte Hansen
Altes Land von Doerte Hansen

Ein Buch, das im alten Land auf einem Bauernhof spielt, zwei Frauen und ein Kind, eine Geschichte und eine Sprache, die mich angerührt hat.

Vera von Kamcke ist als Kind mit ihrer Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen auf dem Hof von Ida Eckhoff angekommen. Nicht willkommen bei Ida und im Dorf lernt sie es, mit der Ablehnung zurecht zu kommen und selbst als ihre Mutter sie zurück lässt und Ida stirbt, bleibt sie auf dem Hof.

„Dit Huus is mien un doch nit mien … „

Über ein halbes Jahrhundert nach ihrer Flucht aus Ostpreußen taucht Anne (ihre Nichte) mit ihrem Sohn Leon auf. Geflüchtet aus dem hippen Hamburg, in dem ihr Mann eine andere liebt, weiß sie nicht wohin. Die beiden Frauen, die sich kaum kennen, leben im dunklen alten Bauernhaus, das nachts so viele Geschichten erzählt, dass Vera nicht schlafen kann.

Das Buch handelt von Geflüchteten, die eine Heimat suchen (heute und damals) und diese auch finden, reichen Aussteigern aus Hamburg, die im alten Land zu sich finden wollen und Apfelbauern, die dies nur belächeln können. Das Buch ist ein Gefühls-auf-und-ab. Die Sprünge durch die Zeit mögen Manchem anfangs verwirrend erscheinen, erschließt sich der Familienstammbaum doch erst nach und nach.

Dieses Buch und seine ruppigen, liebevollen Charaktere wollen einen gleich nochmal von vorn beginnen lassen, nachdem man mit einem Seufzen die letzte Seite beendet hat!

Cormac McCarthy – Die Straße

Heute habe ich ein ganz besonderes Schmankerl für euch! „Die Straße“ von Cormac McCarthy ist tatsächlich eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe! Ich habe es in der Originalversion verschlungen und mir wurde schmerzlich bewusst, wie viele Vokabeln für Einöde meinem Wortschatz fehlen. Das klingt jetzt natürlich ziemlich schrecklich, doch ganz im Gegenteil: „Die Straße“ ist fesselnd und sehr stimmungsvoll und – das sei vorweg genommen – absolut lesenswert!

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Was euch erwartet

Ein Mann, ein Kind, eine zerstörte Welt und eine vage Hoffnung.

Eine große Katastrophe hat beinahe alles Leben auf der Welt ausgelöscht – alle Pflanzen sind verbrannt, Asche so weit das Auge reicht, Kälte, Hunger und Angst sind allgegenwärtig. Ein Vater und sein Sohn sind auf dem Weg zur Küste, in der  Hoffnung, dass dort ein anderes Leben möglich ist. Alle ihre Besitztümer transportieren sie in einem Einkaufswagen und jeder andere Mensch ist eine potenzielle Bedrohung. Für den Fall, dass es gar nicht mehr weiter geht, sind da noch zwei Schuss im Revolver…

Viel mehr ist es nicht  – und das ist gut so!

Warum dieses Buch großartig ist

Ich habe bisher selten Texte gelesen, die eine so intensive Stimmung erzeugen. Man riecht die Asche, spürt die Angst der Protagonisten und empfindet Glück und Erleichterung, wenn die beiden irgendwo noch eine Konservendose auftreiben. Dazu trägt sicherlich die Sprache bei, aber auch die Konzentration der Erzählung auf das „Hier und Jetzt“. Die Ursachen für die Katastrophe sind völlig irrelevant; der Leser erfährt nicht viel über das Leben davor: all die Dinge, die in unserem Leben „wichtig“ sind, spielen keine Rolle mehr. Im Gegensatz zu vielen anderen Genrewerken sehen wir hier auch keine neue Gesellschaft, sondern zwei Menschen, die sich außerhalb menschlicher Gruppen bewegen – ich habe bisher nichts vergleichbares gelesen und allein das macht es für mich so toll.

Verfilmt wurde das ganze ja auch…

Cormac McCarthy dürfte dem ein oder anderen ein Begriff sein, da er auch „No Country for old men“ geschrieben hat. Dies ist nicht der einzige Roman von ihm, der verfilmt wurde; auch zu „The Road“ gibt es eine Hollywoodverfilmung mit Viggo Mortsenen als „Vater“.

Ich habe den Film auf Amazon gesehen und kann ihn euch wärmstens empfehlen. Die Verfilmung schafft es, die beklemmende Stimmung gut einzufangen, auch wenn die Weite und die Beschwerlichkeit der Reise durch die längere Erzählzeit des Buches besser dargestellt werden.

Solltet ihr dieses Buch lesen?

Ich habe es ja schon vorweggenommen: unbedingt! Natürlich nur denjenigen unter euch, die postapokalyptische Szenarien mögen und in Romanen weder Non-Stop-Action noch „heile Welt“ brauchen.  Wenn euch meine Schwärmerei nur ein kleines bisschen neugierig gemacht hat, könnt ihr beherzt zugreifen.

Was ihr sonst noch wissen müsst…

Übersetzt von: Nikolaus Stingl
Originaltitel: The Road
ISBN: 978-3-499-24600-5
Verlag: rororo
Erschienen: 02.06.2008

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Don Winslow – Das Kartell

Der Kampf zwischen Adan Barrera und Art Keller geht weiter – nachdem ich „Tage der Toten“ verschlungen habe, musste ich natürlich auch „Das Kartell“ lesen!

Was euch erwartet…

Dieser Roman setzt zeitlich nach den Ereignissen von „Tage der Toten“ an. Art Keller ist inzwischen Bienenzüchter im Kloster und versucht den Krieg gegen die Drogen hinter sich zu lassen, doch als Adan aus dem Gefängnis entkommt, holt ihn die Vergangenheit sofort wieder ein und er kehrt zurück nach Mexiko.

Über den Inhalt möchte ich an dieser Stelle gar nicht allzu viele Worte verlieren, dieser ergibt sich aus dem andauernden „Machtkampf“ zwischen Polizei, Drogenkartellen, Söldnertruppen, Journalisten und Zivilbevölkerung. Don Winslow zeigt uns zehn weitere Jahre „War on drugs“ und spart dabei weder an Gewalt noch an Blut. Ermittlungserfolge wechseln sich mit herben Rückschlägen ab und führen letztlich nur zur Erkenntnis, dass er Drogenkrieg nicht in Mexiko gewonnen werden kann. Solange sich damit so viel Geld verdienen lässt, wird es immer jemanden geben, der das Machtvakuum füllt oder jemanden, der noch brutaler und skrupelloser ist.

Was mir an „Das Kartell“ gefällt…

Erneut sind es einzelne Charaktere, die ich höchst spannend finde – allerdings sind es auch diesmal weder Keller noch Barrera. Es sind die kleinen Subplots. Da sind z.B. Chuy, ein kleiner Junge, der zum Auftragsmörder wird, Erika, die freiwillig die einzige Polizistin in ihrem Dorf wird oder Journalist Pablo Mora, der damit umgehen muss, dass die Situation für die schreibende Zunft zunehmend gefährlicher wird.

Darüber hinaus haben es mir in den letzten Wochen Geschichten mit deprimierender Grundstimmung angetan. Art Keller weiß nie, wer wirklich zu seinen Verbündeten gehört und muss erkennen, dass der große Krieg gar nicht zu gewinnen ist – das ist eine ganz besondere Herausforderung für einen Charakter.

Solltet ihr „Das Kartell“ lesen?

Auch hier kann ich nur sagen: unbedingt!

Auch dieser Roman hat mich gut unterhalten, auch wenn ich ihn rückblickend nicht wieder direkt im Anschluss an „Tage der Toten“ lesen würde, da es doch zwei sehr umfangreiche Bücher mit gleichbleibender Stimmung sind, so dass viele Handlungsstränge verschwimmen und in Vergessenheit geraten. Gerade weil auch die kleinen Geschichten so liebevoll ausgearbeitet sind, ist das zu schade.

Was ihr sonst noch wissen müsst…

Aus dem Englischen von Chris Hirte
Originaltitel: The Cartel
ISBN: 978-3-426-30429-7
Verlag: Droemer TB
Erschienen: 01.06.2015